Namibia, ein Reisebericht

         16. April - 30. April 2015

.Reisen und Fotografieren gehören eigentlich zusammen. Jeder erzählt  zu Hause von seinen Urlaubserlebnissen, selbstverständlich unterstützt durch zahlreiche Fotos.

Unsere Erfahrungen mit Gruppenreisen zeigten uns aber, dass nicht alle so fotobegeistert sind um dem besten Foto-Licht das Tagesprogramm unterzuordnen und mitunter recht genervt sind, wenn Fotografen länger als einen Klick vor einem Motiv verweilen. Oft sitzt der Fotograf zur blauen Stunde gefrustet beim Dinner oder der Partner eben allein. Da liegt doch sehr nahe, eine Reise mit Gleichgesinnten zu unternehmen.

Ein Traumziel für Fotobegeisterte ist Namibia mit seinen vielen Farben und interessanten Landschaften.

Da war uns die von Wolfgang und Juan organisierte Foto-Tour durch die Wüsten im Süden Namibias gerade recht.

Das Gepäcklimit der Fluggesellschaft stellte uns vor die erste Herausforderung. Zum einen kann das Fotohandgepäck schon mal die erlaubten 8 kg überschreiten und zum anderen muss man sich entscheiden, mit welcher Ausrüstung (Stativ, Objektive, Filter, Speicherkarten, Laptop …) es  auf die Reise gehen soll.

Oryx

Irgendwie schafften wir es aber unsere persönlichen und die Fotosachen so zu optimieren (Stativ kam mit, Laptop blieb zu Hause), dass wir uns entspannt auf den Weg machen konnten.

Tag 1 / Do. (16.04.)

Mit dem Zug nach Afrika

Da der Flug nach Windhoek erst zum Abend geplant war, fanden wir das Angebot  Rail & Fly der Fluggesellschaft zusammen mit der Deutschen Bahn als passende Alternative zum Inlandsflug. Die Zugfahrt im mäßig besetzten ICE von Berlin nach Frankfurt verlief auch aufgrund vorgebuchter Plätze stressfrei.

Weniger praktisch ist die Umsteigerei mit dem gesamten Gepäck; zumal Gepäckwagen auf den Bahnhöfen nicht so präsent sind, wie sonst auf Flughäfen. 

Auch beinhaltet das RF-Ticket nicht den Nahverkehr, so dass wir für die drei Stationen zum Airport-Frankfurt noch fast einen Taxipreis zahlten. Dafür wurde das Gepäck aber kostenfrei befördert, danke lieber RMV. Zoll und Check-In am Flughafen waren zügig und problemlos erledigt. Der Nachtflug mit Air Namibia verlief eigentlich recht ruhig. Allerdings nervten ein paar Zeitgenossen, die sich zu nachtschlafender Zeit offenbar viel zu erzählen hatten.

Tag 2 / Fr. (17.04.)

Roter Sand , Webervögel und Gartenschlauchhörner

Um 5.30 Uhr pünktliche Ankunft in Windhoek, Begrüßung durch unseren Guide Juan, kurzes Briefing und dann Fahrt in Richtung Kalahari.

Foto-Guide Wolfgang und die 4 Mitreisenden hatten wir schon in Frankfurt begrüßt. Bei der Bestandsaufnahme am Airport Windhoek stellten wir fest, dass alles bis auf Wolf-Reiners Gepäck anwesend war, auch erwies sich der örtliche Geldautomat etwas störrisch gegenüber EC-Karten. Gepinte Kreditkarten nahm er problemlos an. Neben den persönlichen Sachen war natürlich auch das Stativ in der vermissten Reisetasche. Unsere schmerzlichen Erfahrungen bei einer Kanutour in Kanada, wo das Gepäck eine Woche brauchte um uns zu erreichen ließen unsere Stimmung nicht in Euphorie über die bevorstehenden Erlebnisse umschlagen. Juan konnte uns etwas beruhigen. Erfahrungsgemäß wird das fehlende Gepäck meist innerhalb von 24 Stunden nachgeliefert.  Wir benötigten noch ein wenig Zeit für die Verlustmeldung aber schließlich waren wir dann, auch mit etwas Bargeld ausgerüstet,  zügig unterwegs mit ein paar wenigen Stopps (historischer Wachposten, Webervögel auf Strommasten) in das Bagatelle Game Resort. (Game steht hier nicht für Spiel …sondern für das anzutreffende Wild).

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Der rote Sand der Kalahari wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Wir haben ein tolles geräumiges Häuschen auf der Hügelspitze mit weitem Blick auf weidende Springböcke und Gazellen. Wir treffen sogar eine Elen-Antilope, die sich bereitwillig fotografieren lässt, spielende Erdmännchen und einen zahmen Springbock, der, damit er niemanden verletzen konnte, sein Gehörn mit einem Gartenschlauch überzogen bekam. Wir erleben einen beeindruckenden Sonnenuntergang. Natürlich wurden reichlich Fotos gemacht.

Kalahari     Stativ

Dankenswerterweise lieh mir Wolfgang sein Stativ, so dass auch der Sonnenuntergang seine fotografische Würdigung fand. Das wegen des Eisengehaltes  intensive Rot des Wüstensandes und die Rot-Färbung des   Himmels mit der untergehenden Sonne wäre aber auch ohne Foto eine bleibende Erinnerung gewesen. Der kulinarische Ruf des Resorts war diesem vorausgeeilt  und wir wurden auch nicht enttäuscht.

   

Tag 3 / Sa. (18.04.)

 Buschjäger, Amors Pfeil, spielende Giganten, und Trockenheit im Supermarkt

Zeitiges Aufstehen am Morgen, eiliger Kaffee und sogleich wurden wir von spärlich gekleideten Angehörigen des San-Stammes abgeholt. Die Gesichter ähneln irgendwie stark denen der Hotel-Angestellten die wir am Abend zuvor kennenlernten. Sie zeigen uns Einblicke in ihre traditionelle Lebensweise und Jagdmethoden aus vergangener Zeit. Fotografieren ist erwünscht in der Hoffnung auf eine kleine Werbebotschaft für das Resort. Sie verdienen sich so ein kleines Zubrot.

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Die Verwendung von Pflanzen und Jagdtechniken werden anschaulich vorgeführt. Auch der Umgang mit Amors Pfeil wird erläutert. Wir haben sehr viel Spaß in der lockeren Atmosphäre und kaufen auch noch etwas von dem dargebotenen Schmuck aus Stachelschwein- oder Straußenmaterial.

Nach diesem frühmorgendlichen Fotospaziergang lassen wir uns das köstliche Lodge-Frühstück schmecken und treten dann so gestärkt und ohne Hast die Weiterfahrt an. Angenehm ist, dass es keine Rolle spielt, zu welcher Tageszeit wir die Hütten verlassen.

Unsere Fahrt geht weiter nach Süden durch das Land der Nama mit Ziel  Keetmannshop. Juan erweist sich als souveräner  Driver so dass wir uns seinen Fahrkünsten bedenkenlos anvertrauen.

Unterwegs gibt es den einen oder anderen Fotostopp. Ja wir wissen, dass mittags das Licht zum Fotografieren nicht besonders taugt. Aber sollen wir deswegen auf das Festhalten der einen oder anderen Erinnerung verzichten?

Mittags gibt es exzellenten Oryxburger auch noch ein nach gewohntem Verfahren gebrautes Bier dazu wird nicht verschmäht. Am späten Nachmittag Ankunft im Gesserts Guesthouse (Bed&Breakfast). Beim Zimmerbeziehen müssen wir uns sehr beeilen um noch bei gutem Foto-Licht den Spielplatz der Giganten und den Köcherbaumwald zu erreichen. Die Fotoausbeute ist grandios.

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Ganz nebenbei konnten wir auch zahlreiche Klippschliefer beobachten. Je weiter die Dämmerung fort schritt umso mehr von ihnen bekamen wir zu Gesicht. Diese sehen ein wenig aus wie hierzulande Siebenschläfer, sind aber eher mit Elefanten verwandt. Auffällig sind die schwarzen Augen der Tiere welche wie verspiegelte Sonnenbrillen wirken.




Das Abendessen haben wir im Hotel Royal in Keetmanshoop. Am Samstag gibt es an der Tankstelle oder anderen Verkaufsstellen nur leichte Getränke und am Sonntag keinen Alkohol.

Selbst im Supermarkt konnte man die besten Weine, meist aus Südafrika, nur hinter einer Absperrung bewundern.

 

Goldene Stunde, Kalorienbomben , Köcherbäume und ein Falschparker - Klein Aus Vista

 

Rosenköpfchen

Für die ganz eifrigen beginnt die morgendliche Foto-Tour um 5.00 Uhr. Brigitte schläft aus während Wolf-Reiner versucht in goldener Stunde die Köcherbäume und auch die rot-grün gefärbten Rosenköpfchen ins rechte Licht zu rücken. 

Köcherbaum            Köcherbaum

Köcherbäume, oder Aloe Dichotoma, wie der Botaniker sie wegen der steten Zweiteilung gerne nennt,   sind für die Buschjagd sehr praktisch, weil sie innen hohl sind und sich somit gut für die Aufbewahrung mitgebrachter Pfeile eignen.

Beim Frühstück dauerte es heute etwas länger bis alle Wünsche erfüllt sind. Aber einfache Spiegeleier entpuppten sich dann als leckeres Frühstücks-Menu mit Speck, Würstchen und Salat. Anschließend machen wir uns vorbei an atemberaubenden Landschaften auf den Weg nach Aus zur Klein Aus Vista Ranch. Mittags erreichen wir das kleine Örtchen Aus. Das Bahnhofsrestaurant ist bekannt für seine deutschen Torten, Kuchen und guten Kaffee. Aber auch andere kleine Snacks werden von dem freundlichen Personal sehr gut zubereitet.

Am Nachmittag erreichen wir dann die Ranch. Das Desert Horse Inn hat sehr angenehme Zweier-Bungalows mit freiem Blick auf die Aus-Berge. Auch die Wüste ist hier schon spürbar, alles ist staubig und trocken.

Auf dem abendlichen Fotoexkurs:

Eisenbahn

Eisenbahnschienen, Felshütten und auch einen total verrosteten Oldtimer (wie mag der wohl hierhergekommen sein) mitten in der Wüste und natürlich Sonnenuntergang. Aber auch von der Terrasse des Bungalows konnte man einen einzigartigen Sonnenuntergang erleben und auch die Silhouetten der Akazien vor der farbenprächtigen Kulisse fotografieren.

Falschparker     Sonnenuntergang in Klein Aus Vista

Als Abendessen gab es ein tolles reichhaltiges Buffet im Lodge-Restaurant – Hauptgericht waren Strauß und Kalamari. Auch eine sehr gute Auswahl an Weinen war vorrätig.

Tag 5 / Mo. (20.04.)

Verwilderte Pferde, Geisterbahnhof, Atlantik und ein verpasster Hummer - Lüderitz

Für heute war mal Ausschlafen angesagt. Wir wollen erst gegen 9.00 Uhr nach Lüderitz aufbrechen. Wir genießen um 7.00 Uhr ein ausgiebiges Frühstück in aller Ruhe, diesmal nicht in der Gruppe sondern nur für uns allein. Ja auch das kann mal sehr angenehm sein.  Der größte Teil der Strecke nach Lüderitz ist Asphaltstraße – die Vegetation wird immer weniger bis sie ganz aufhört, dafür kommt kräftiger Wind auf.

Wildpferde von GarubBahnhof GarubBei Garub ent-

decken wir auch die bekannten    ausgewilderten Pferde, die sich Anfang des vorigen Jahrhunderts dort ausgebreitet haben, Oryxe und auch einen verfallenen Bahnhof. Allerdings waren die Schienen blank – also die Bahn fährt, hält aber nicht mehr an.

Entlang des Diamantensperrgebietes, an einer Geisterstadt vorbei, erreichen wir mittags den Atlantik bei Lüderitz und machen im Nest-Hotel Station. Wir beziehen unsere Zimmer, die geräumig und komfortabel aber trotz Meerblick ohne besondere Ausstrahlung sind, und treffen uns dann erst gegen 15.00 Uhr zum Stadtrundgang.

Die freie Zeit nutzen wir zur Restauration und gönnen uns noch eine super leckere Fischplatte im Hotel-Restaurant. Dieses ist zur Lunchzeit kaum frequentiert und wir können alles in einer perfekten Atmosphäre genießen. Zum Abend nehmen wir uns vor, von dem angebotenen Hummer zu probieren, fürstlich zu speisen und zu schlemmen.

In Lüderitz findet man noch sichtbar die Spuren der deutsche Kolonialzeit: Felsenkirche, Goerke-Haus, Postamt und ein schöner Jugendstil-Bahnhof. Unser Stadtrundgang endet mit einem Kaffee am Hafen. Danach fahren wir noch nach Shark Island, einem ehemaligen Konzentrationslager wo uns Juan über das Schicksal der Hereros berichtet, der kalte Wind lässt uns erahnen, dass hier kein wirtlicher Ort ist trotzdem befindet sich in unmittelbarer Nähe ein Campingplatz.

Vor dem Abendessen geht es dann doch noch zum Dämmershooting.

LüderitzbuchtLüderitz

Im Laufe des Tages waren noch einige größere Reisegruppen im Hotel angekommen so dass das Restaurant nicht a la carte anbieten konnte. Hummer Ade, es gibt Buffet. So richtige Gemütlichkeit wollte dann auch nicht aufkommen; aber der  Absacker an der Hotelbar mit dem kultigen Barkeeper entschädigte ein wenig.

Tag 6 / Die. (21.04.)

Geistern durch die Geisterstadt, Fahrt ins Nichts und Sternenhimmel

  Lüderitz – Ranch Koiimasis

Heute war um 4.30 Uhr wecken. Nach einem schnellen Kaffee auf dem Zimmer mit Brötchen vom Vorabend ist um 5.00 Uhr Abfahrt nach Kolmanskoop. Es ist noch stockfinster, als wir in der alten Diamantenstadt ankommen. Die Stadt ist noch geschlossen, aber Dank Juan können wir mit einem Sonder-Permit passieren. Wir genießen den Sonnenaufgang und können nach Herzenslust Haus für Haus der verlassenen Stadt fotografisch festhalten.

KolmanskoopEs sieht einerseits so aus, als ob gerade hier noch jemand lebte. In den Funktionsräumen sind teilweise noch Einrichtungen z. Bsp. Eisfabrik, Schlachterei usw. vorhanden. Trotzdem ist es auch sehr beeindruckend, wie sich die Wüste den Ort durch Türen, Fenster oder Dächer wieder zurück erobert.

Von der Straßenbahn, die damals alle Häuser miteinander verband sind die Gleise noch an vielen Stellen zu sehen. 

GeisterstadtDie Sporthalle ist rekonstruiert. Ein Museum ist auch dabei, besonders interessant sind die Bilder und Berichte von ehemaligen Bewohnern über das Leben in der alten Diamantenstadt. Wir frühstücken im angeschlossenen kleinen Café. Es gibt Kolmans-Omelett und Diggers Breakfast. 

Mit Eintreffen der ersten Touristen-Busse verlassen wir diesen spannenden Ort und fahren Richtung Koiimasis. Im Bahnhofsrestaurant von Aus nehmen wir wieder unserem Mittagskaffee und holen Geld vom Automaten im kleinen Tankstellen- Supermarkt. Die Vegetation wechselt von nichts zu gar nichts und dann wieder grüne Savanne und danach Wüste. Wir sehen neben Wildpferden, Oryxe, Springböcke, Kudus und vereinzelt auch mal eine Großtrappe.

Fels Inn LodgeSchließlich haben wir das Gefühl, dass wir in Richtung einer großen Felswand ins Nichts fahren. Diese Nichts entpuppt sich als unsere Lodge, die sich in Farbe und Form harmonisch der Umgebung anpasst. Vor dem Abendessen zollen wir der Hitze Tribut und nehmen ein paar Erfrischungen an der kultigen Bar. Hier empfängt uns auch der Geschäftsführer, er stammt aus Weißenborn in Sachsen-Anhalt und hat in Deutschland als Polier auf dem Bau gearbeitet.

Abendessen ist sehr gut und auch eine exzellente Weinauswahl ist vorhanden (Roodeberg kennen wir schon von zu Hause). Aber leider kein Wein heute Abend.  Wolf-Reiner und Wolfgang machen sich zu später Stunde noch auf um von exponierter Stelle aus den überwältigenden sternenübersäten Nachthimmel zu fotografieren. Wahrscheinlich der letzte günstige Tag, da der Mond zunimmt und bald vielleicht schon zu hell wird. 

Tag 7 / Mi. (22.04.)

Fahrt durch den Staub und ein skurriles Schloss

Ranch Koiimasis

Heute können wir wieder ausschlafen. Abfahrt ist erst gegen 9.00 Uhr. Das Frühstück ist, wie erwartet, gut. Wir fahren aus dem Staub in den Staub. Unser Ziel ist die Desert Homestade Lodge. Unterwegs haben wir wieder viele Oryxe, Springböcke und Kudus gesehen.

CastleBesichtigung von  Duwisib Castle. Dieses monumentale Gebäude erwartet niemand in der Wüste und wird von seinem Aussehen eher ins mittelalterliche Europa passen.

Hier wollte ein sächsischer Schutztruppen- offizier mit seiner Frau wohnen und Vollblut-Pferde züchten, was ihm anfangs mit einigem Erfolg auch gelang. Weltkrieg, Internierung, Flucht nach Deutschland und schließlich der Tod im Felde besiegelten das Schicksal des Adligen und des Schlosses. Möglicherweise besteht auch ein Zusammenhang zwischen der Zucht auf dem Schloss und den Wüstenpferden.   

Es bietet uns ob seiner dicken Mauern eine schattige und kühle Mittagsrast. Die Lodge erreichen wir gegen 15.00 Uhr und werden mit kühlen Getränken empfangen. Nachmittags Entspannung und Sachen ordnen. Frühe Nachtruhe, weil uns morgen ein anstrengender Tag erwartet.

Tag 8 / Do. (23.04.)

Ein Rennen in den Wald toter Bäume und ein sechs Riemen tiefer Canyon -Wüste Namib

Um das Sossusvlei fotografisch interessant zu besichtigen empfiehlt es sich früh aufzustehen. Unsere Lodge war etwa eine Stunde Fahrzeit vom Eingang zum Sossusvlei entfernt. Deshalb fahren wir schon um 5.00 Uhr los, um mit den ersten durch das Große Eingangstor zu fahren, welches erst bei Sonnenaufgang öffnet. Angekommen sind wir auf Platz 3 in der immer länger werdenden Schlange. Nachdem das Tor geöffnet ist und wir eingefahren sind werden wir auf der schmalen Asphaltspur auch schon überholt.

NamibEs beginnt ein Rennen um Platz und Sieg. Unser Guide und Fahrer Juan gibt alles und kann sich dank eines Fotostopps der bislang führenden wieder an die Spitze kämpfen. Die berühmte Düne bei km 45 lassen wir links liegen und kommen schließlich auch mithilfe der Allrad-Ausrüstung des Fahrzeuges als erste bei km 60 im Dead Vlei an. Hier stellen wir zunächst enttäuscht fest, dass wir doch nicht die Ersten am Platz sind. Eine Fotografengruppe vom Campingplatz hatte das Privileg vor Sonnenaufgang loszufahren weil sie ja auch nicht durch das Eingangstor mussten.

Trotzdem können wir ungestört und ungebremst beeindruckende Fotos von den roten Dünen und dem Wald toter Bäume machen.

NamibNamibVogelnest

Geschafft und gezeichnet von den Eindrücken und der immer stärker werdenden Hitze, treten wir gegen 11.00 Uhr die Rückfahrt an und  machen eine Rast im Campingplatzrestaurant.  

NamibVor der Rückfahrt in die Lodge halten wir noch am Sesriem Canyon, einer Schlucht aus Sedimentgestein, die deshalb so heißt, weil man sechs Riemen eines Pferdegeschirrs braucht, um sich abzuseilen und so an das Wasser auf dem Grund zu kommen. Wasser war keins mehr da. Trotz der Mittagszeit  gelingen uns einige gute Fotos was bei tiefstehender Sonne wegen der Schattenbildung gar nicht möglich gewesen wäre.

Die Mittagssonne macht uns nun doch zu schaffen, es ist unerträglich heiß und wir freuen uns nur noch auf eine erfrischende Dusche (innerlich und äußerlich angewandt) und schlafen im Fahrzeug während uns Juan sicher zurück in die Lodge bringt.

Tag 9 / Fr. (24.04.)

Aufgescheuchte Flamingos aufmerksamer Anwohner und Kaffee und Kekse mit Renate

Wüste Namib - Swakopmund

Fahrtag! 8.00 Uhr Abfahrt quer durch die Wüste nach Swakopmund. Kurzer Stopp in Solitaire an einer kultigen deutschen Bäckerei mit angeschlossener Tankstelle.

 FalschparkerKraftmensch

Ausgestellter Oldtimerschrott lockt zum Betreten. Erfrischung mit Kaffee und Kuchen und dann weiter durch die Wüste – es ist heiß. Die Wüste ist trostlos, es sind kaum noch Tiere zu sehen irgendwann nur noch Sand in sich unendlich fortsetzenden strandburgenförmigen Strukturen. Als dann noch hohe Dünen hinzukommen sind wir auch gleich an der Walfischbucht.

FlamingosIn der Bucht sind hunderttausende Flamingos und geben uns wunderbare Fotomotive zumal ein Natur-Banause die Vögel aufschreckt. Allsogleich fangen die stolzen Vögel an zu rennen und sich dann in einem riesigen Schwarm in die Luft zu erheben. Die Fotoapparate klicken bis der Sensor glüht.

 

Ein Trinkgeld heischender weißer Mann meint unsere Sachen im abgestellten Fahrzeug beschützt und in letzter Sekunde vor fremdem Zugriff gerettet zu haben. Wir bedanken uns sehr nett und fahren zum Essen in ein Cafe am Hafen. Das Essen ist akzeptabel  und wir genießen die kühlen Getränke. Dann fahren wir weiter entlang der Küstenstraße. Links der Ozean und rechts die Dünen der Wüste im Blick, erreichen wir alsbald das Central Guesthouse in Swakopmund. Wir werden von Renate mit Kaffee und Keksen freundlich fast wie Familiengäste empfangen. Unser Zimmer mit Zugang zum Hof ist geräumig und sehr gut ausgestattet.

Abendessen haben wir im angesagten Restaurant Jetty 1905 am Hafen von Swakopmund eingenommen. Das Essen war gut aber die Atmosphäre in diesem Touristenhotspot doch etwas laut, so dass richtige Gemütlichkeit nicht aufkam.

Vielleicht haben wir es aber auch deshalb so quirlig empfunden, da wir ja unmittelbar aus der stillen Wüste in diese für namibische Verhältnisse große Stadt kamen. Schließlich wird ja diese Einrichtung in fast jedem Reiseführer empfohlen.

Tag 10 / Sa. (25.04.)

Fotoüberfall , Tramezini und Ersatzhummer -Swakopmund

Wir genießen den Tag für uns – und machen einen ausgiebigen Rundgang durch die Stadt die stark von Jugendstilbauten geprägt ist.

Selbstverständlich zieht es uns auch zur Jetty, der langen Seebrücke von Swakop, wie die Einheimischen die Stadt nennen. Hier ist um diese Zeit einiges los. Touristengruppen aller Länder und Farben nehmen die Brücke in Besitz und schießen millionenfach Selfie-Fotos mit jeder Art fotografischen Gerät. Die Ausgelassenheit der afrikanischen Schülergruppen an der Seebrücke ist unübertroffen. Schließlich werden auch wir Opfer einer solchen und zum Fotomotiv. Eine Gruppe afrikanischer Jugendlicher stellt sich, natürlich nicht ungefragt, neben Brigitte ans Brückengeländer und dann wird mit allem was einen Sensor hat gefeuert. Wolf-Reiner macht mit und wird dann sogleich auch vereinnahmt. Bei so viel Ausgelassenheit gönnen wir ihnen doch den Spaß.   

Mittags finden wir das Restaurant Ankerplatz in der Woermann Passage  relativ leer vor, so dass wir mit Tramezini eine kleine Mittagsmahlzeit einnehmen. Heute gönnen wir uns auch mal ein Nachmittagsschläfchen.

Ab 17.00 Uhr Pflichtprogramm zum Sonnenuntergang fotografieren an der Jetty.

Jetty Juan hatte wegen des entgangenen Hummers für uns zum Dinner im 22° South unmittelbar am Leuchtturm einen kleinen Tisch reservieren lassen. Das maritime Ambiente gefiel uns, auch dass man nicht so dichtgedrängt saß. Der angenehme Service und nicht zuletzt der Ausblick in Richtung Atlantik machte den Abend perfekt. Hummer gab es nicht, aber wir genießen die Langostinos auf Meeresfrüchte-Risotto und den Wein und überhaupt den Abend so ganz ohne Trubel für uns und sind unendlich dankbar für diese Aktion.

 

Tag 11 / So. (26.04.)

 Morgennebel, Lichtspuren Felszeichnungen und Sonnensterne  Swakopmund - Spitzkoppe

5.00 Uhr aufstehen für Wolf-Reiner und etwas ganz seltenes passiert – er ist vor Wolfgang fertig und bereit zum Fotografieren. Es ist kalt und neblig.

 JettySwakpomund

Nach ein paar Nachtaufnahmen von Swakopmund im Nebel garniert von Lichtspuren passierender Autos und ein paar Langzeitaufnahmen von der Jetty sind sie zum Frühstück wieder zurück. Brigitte packt in der Zwischenzeit die Sachen. Nach dem Frühstück kann Reiner noch duschen und dann beginnt schon die Abfahrt Richtung Spitzkoppe. Der Lunch bei den Damara fand unterschiedlichen Anklang. Brigitte hätten diesen lieber mit einem Lunchpaket von Renate aus dem Central Guesthouse in Swakpmund tauschen wollen. Am frühen Nachmittag kommt der gebuchte lokale Guide und führt die Gruppe zu den Felszeichnungen auf dem Berg. Brigitte ist von der Steigung an der Sicherung einigermaßen beeindruckt (Klettersteig) und verzichtet. Sie bekommt von Wolfgang netterweise einen Privatkurs zum Erzeugen von  Sonnensternen.

Kraftmensch2Lichtstern

Gemeinsam fotografieren wir dann noch den gewaltigen Granitbogen und den roten Riesenfelsen im Sonnenuntergang. Danach eilige Weiterfahrt zur Hohenstein Lodge noch immer im Sonnenuntergang. Der Himmel leuchtet in allen Rottönen und die Spitzkoppe steht dunkel davor. Dann wird es aber recht schnell stockfinster.

Eine plötzlich auftauchende Kuh auf der nächtlichen Straße stoppt kurzzeitig unsere Fahrt. Endlich Ankunft auf der Lodge. Die resolute Chefin begrüßt uns mit einem Händedruck. Es gibt leckeres Abendessen: Salat und Oryxgoulasch, Kuchen und für Brigitte Obstsalat zum Nachtisch. Eine der wenigen Lodges, die besondere Ernährungserfordernisse aufmerksam  berücksichtigten.

Wir genießen den tollen Sternenhimmel, den sehr guten Rotwein und dann ist Nachtruhe.

Tag 12 / Mo. (27.04.)

Billard spielende Riesen , Felsenbogen und lästiger Kameldornstrauch

Spitzkoppe – Erongo Gebirge

Heute können wir ausschlafen – Abfahrt ist erst um 9.00 Uhr. Irgendwann mag man keine Frühstückseier mehr, aber zum Einkaufen ist hier alles weit und Eier sind immer vor Ort. Immer noch sind 35 ° C im Schatten.

GiraffeBulls

Unser Ziel heute ist Bulls-Party eine Felsenlandschaft mit vielen rund erodierten Granitkugeln die so verteilt sind als hätten irgendwelche Riesen hier Billard gespielt. 

Die Lodge-Betreiber sagen, man braucht 25 Minuten bis dahin. Wir fahren 45 Minuten und dann sind wir im Rhino National Trust – Gelände. Nashörner sehen wir nicht. Aber zwei Giraffen, Dik-Diks, Steinböcke, ein paar Affen und eine Großtrappe. Das war‘s auch schon mit Tieren. Dann fotografieren wir also Steine, schön rund und rot und blauer Himmel. Für diejenigen denen der Aufstieg zu den Felszeichnungen zu anstrengend war gibt es hier noch eine schlichte Kopie. 

Mittags sind wir wieder in der Lodge, haben Lunch und ruhen uns aus.

Am Nachmittag erneut Abfahrt zur Spitzkoppe. Wir fahren direkt zum Steinbogen und fotografieren uns die Seele aus dem Leib.

TriumpfbogenLichtstern 2

 

Alle nehmen diesmal Rücksicht und so kommt jeder zu seinen Fotos. Leider wiederholt sich der spektakuläre Sonnenuntergang vom Vorabend nicht. Trotzdem gelingen noch ein paar Fotos. Ein Kameldornstrauch mit seinen Widerhaken in der Dämmerung erweist sich als lästig. Abends exotisches Essen in der Hohenstein-Lodge: Schnitzel Wiener Art – o.k. Rotwein wie immer gut.

Tag 13 / Die. (28.04.)

Hilton , vorwurfsvoller Kudu und Witsblits

Erongo Gebirge – Windhoek

Das Frühstück heute ist  diesmal mit Eiern nach Wunsch. Um 9.00 Uhr Abfahrt nach Windhoek. Unser letztes Stück staubiger Schotterpiste liegt vor uns. In  Otjambo an einem Holzschnitzermarkt halten wir. Man kann hier recht gut aber einfach essen. Burger ist in fast allen Lokalitäten der Favorit. Wir werden nicht enttäuscht. Exotisch anmutende Schnitzereien kaufen wir nicht.

In Windhoek angekommen  beziehen wir unsere Zimmer in der Pension Casa Piccolo. Es ist zweckmäßig, sauber  aber ein wenig dunkel.  

Wir fahren in das Zentrum  zum Shopping und individuellem  Rundgang.
 WindhoekWindhoek 1

Zum Sunset-Drink treffen wir uns dann auf der Dachterrasse des Hilton-Hotels und genießen die beeindruckende Aussicht über die Stadt bei Sonnenuntergang. Zum Abendessen gehen wir in die kultige Touristenkneipe: Joe’s Beerhouse. Ein Etablissement mit vielem oft skurrilem Gesammeltem – in jedem Reisführer als ein Muss erwähnt und dementsprechend voll.

Ein riesiger ausgestopfter Kudukopf an der Wand schaut uns den ganzen Abend vorwurfsvoll an. Das Essen ist überraschend gut: Springbock, Oryx, Kudu. Zebra und sogar Krokodil. Wir entscheiden uns für die Grillplatte aus Oryx, Springbock und Kudu mit Witsblits (Buschmann-Pils mit Schnaps).

Ganz nebenbei:  Dortmund besiegt Bayern im DFB-Pokal.

Tag 14 / Mi. (29.04.)

Museum , Goethe und fritierte Blutegel

Windhoek  - Frankfurt

Heute ist unser letzter Tag in Namibia. Morgens haben wir erst mal das Frühstück in der Casa Piccolo und auch Check-Out. Allerdings lassen wir den Trailer mit unserem Gepäck auf dem Gelände der Casa stehen.

Juan macht mit uns eine ausgiebige Stadtrundfahrt mit einigen Museumsbesuchen. Er beeindruckt uns mit seinem umfassenden Wissen über Land Leute und Geschichte Namibias.  Den einfachen aber guten Lunch haben wir bei der Goethegesellschaft. Auch ein Glas Weißwein wissen wir und andere jeder auf seine Art zu schätzen. Wir fahren auch in die Townships von Windhoek und sehen, wie von den einheimischen Farbigen der Markt organisiert ist. Eine Marktfrau mit einem Kleinkind bemüht sich, einen Kinderstuhl zusammenzustecken, es gelingt Ihr nicht. Nachdem wir Ihr nach kurzem Kompetenzgerangel untereinander den fertig montierten Stuhl präsentieren ist das Eis gebrochen. Sie bietet uns von dem feil gebotenen frittierten Kleingetier, so etwas wie Blutegel oder Engerlinge, zum Kosten an und lacht sich einen Ast als wir durchweg dankend ablehnen.

Nachmittags holen wir dann unser Gepäck und fahren zum Flughafen.

 

Tag 15 / Do.

(30.04)

Frankfurt - Berlin

Wir haben eine spannende Reise hinter uns und können uns während der Zugfahrt langsam wieder auf Mitteleuropa einstellen.  Jetzt wäre ein Laptop ganz praktisch gewesen. So dauert die Vorfreude auf das Sichten tausender Fotos halt ein wenig länger.